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Geister & Flüche·6/7·2
Photograph of Antike Stadt Ephesos

The place

Antike Stadt Ephesos

Der Mann, der die Ewigkeit anzündete

Er verbrannte ein Weltwunder, damit niemand seinen Namen vergisst

Classical Greek Period (356 BC)Antike Stadt Ephesos

In der Nacht des 21. Juli 356 vor Christus — genau in der Nacht, in der in Makedonien Alexander der Große geboren wurde, der spätere Eroberer eines riesigen Reichs — legte ein junger Mann namens Herostratos Feuer im Artemistempel in Ephesos, an der Küste der heutigen Türkei. Dieser Tempel war eines der Sieben Weltwunder: 127 Marmorsäulen, jede achtzehn Meter hoch. Er galt als das schönste Bauwerk der Erde.

Als man ihn fasste und unter Folter nach seinem Motiv befragte, schockierte seine Antwort die gesamte antike Welt. Kein politischer Grund. Kein Wahnsinn. Kein Hass auf die Götter oder die Bewohner von Ephesos. Er wollte einfach nur berühmt sein. Er hatte mit erschreckender Kaltblütigkeit erkannt, dass etwas Großartiges zu zerstören unendlich leichter ist, als etwas Großartiges zu erschaffen.

Die Behörden von Ephesos waren entsetzt — nicht nur über die Tat, sondern über ihre Logik. Sie verhängten die damnatio memoriae: Wer den Namen Herostratos auch nur aussprach, wurde mit dem Tod bestraft. Sein Name sollte aus allen Aufzeichnungen getilgt werden, für immer.

Es gibt ein deutsches Sprichwort: „Wer Wind sät, wird Sturm ernten.“ Herostratos säte kein bisschen Wind — er säte Feuer. Und er erntete keinen Sturm, sondern etwas, das sich die Richter niemals hätten vorstellen können: Unsterblichkeit.

Die Strafe scheiterte auf spektakuläre Weise. Der griechische Historiker Theopompos hielt den Namen in seinen Schriften fest, und dort steht er noch heute — über 2.300 Jahre später. Der Begriff „herostratischer Ruhm“ beschreibt bis heute Menschen, die Verbrechen begehen, nur um bekannt zu werden.

Herostratos bekam genau das, was er wollte. Und das Bitterste daran: Der verzweifelte Versuch, ihn aus der Geschichte zu streichen, machte seine Geschichte nur noch faszinierender. Denn die Welt zum Vergessen zu zwingen ist wohl der sicherste Weg, etwas unvergesslich zu machen.

Moral der Geschichte

Die Gier nach Ruhm um jeden Preis ist einer der gefährlichsten Impulse der Menschheit. Und die grausamste Ironie: Wer jemanden aus der Geschichte löschen will, macht ihn damit erst recht unsterblich.

Figuren

H
Herostratus
E
Ephesian magistrates
T
Theopompus (historian)
A
Alexander the Great (born same night)

Quelle

Theopompus, Philippica; Strabo, Geography XIV; Valerius Maximus