Skip to main content
أشباح ولعنات·1/3·3
Photograph of Roman Forum & Palatine Hill

The place

Roman Forum & Palatine Hill

Cäsars Geist und der Komet

Die Seele des Diktators steigt über dem Forum zum Himmel auf

44-42 BCRoman Forum & Palatine Hill

Am 15. März 44 v. Chr. wurde Julius Cäsar — Eroberer Galliens, Herrscher der römischen Welt, Diktator auf Lebenszeit — von einer Gruppe Senatoren im Theater des Pompeius dreiundzwanzigmal niedergestochen. Sein Leichnam wurde zum Forum Romanum gebracht, und was dann geschah, sollte die Grenze zwischen Mensch und Gott für immer verwischen — mit Spuren, die bis heute sichtbar sind.

Die öffentliche Trauerfeier fand wenige Tage später auf dem Forum statt. Marcus Antonius bestieg die Rednertribüne und hielt seine berühmte Rede: Er hielt Cäsars blutgetränkte Toga in die Höhe und verlas sein Testament, das dem Volk von Rom großzügige Geschenke vermachte. Die Menge, von Trauer überwältigt, brach in unkontrollierbare Wut aus. Sie rissen Bänke und Holzstände aus den umliegenden Läden, türmten alles mitten auf dem Forum auf und verbrannten Cäsars Leichnam an Ort und Stelle — ein spontaner Akt kollektiver Trauer, den keine Obrigkeit aufhalten konnte.

Doch das Außergewöhnlichste stand noch bevor. Im Juli desselben Jahres veranstaltete Octavian — Cäsars Adoptivsohn und späterer Kaiser Augustus — Gedenkspiele zu Ehren seines Vaters. Gleich am ersten Abend erschien ein strahlender Komet am Nordhimmel. Er leuchtete sieben Nächte lang, für ganz Rom sichtbar, sein Schweif zog sich über den Himmel wie eine göttliche Botschaft.

Das römische Volk brauchte keine Erklärung. Dieser Komet war Cäsars Seele, erklärten sie, die zum Himmel aufstieg, um sich den Göttern anzuschließen. Sie nannten ihn Sidus Iulium — den Julischen Stern. Und wie man so sagt: Aller guten Dinge sind drei — Cäsar hatte Gallien erobert, dann Rom, und nun eroberte er den Himmel selbst.

Octavian erkannte das politische Potenzial des Kometen sofort. Er ließ einen Stern auf jeder Cäsar-Statue in Rom anbringen. Er ließ Münzen mit dem Bild des Kometen prägen. Und er begann, sich Divi Filius zu nennen — «Sohn des Göttlichen» —, denn wenn Cäsar ein Gott war, dann war sein Adoptivsohn der Sohn eines Gottes. Der Julische Stern wurde zu einem der mächtigsten politischen Symbole der Geschichte und legitimierte die Verwandlung der Römischen Republik in das Römische Kaiserreich.

Doch um Cäsars Tod rankten sich auch düstere Überlieferungen. Plutarch berichtet, dass Cäsars Geist über die Erde wandelte — ruhelos und auf Rache sinnend. Die berühmteste Erscheinung ereilte Brutus selbst, den angesehensten der Verschwörer. Als Brutus 42 v. Chr. vor der Schlacht bei Philippi mit seinem Heer lagerte, erschien um Mitternacht eine monströse Gestalt in seinem Zelt. «Wer bist du?» verlangte Brutus zu wissen. «Ich bin dein böser Geist», antwortete das Phantom. «Du wirst mich bei Philippi wiedersehen.» Dann verschwand es und ließ Brutus erschüttert zurück.

Bei Philippi wurde Brutus besiegt. Statt sich gefangen nehmen zu lassen, stürzte er sich in sein eigenes Schwert. Die antiken Autoren sahen in seinem Tod die Erfüllung der Prophezeiung und die letzte Rache des ermordeten Diktators. Shakespeare verewigte die Szene zweitausend Jahre später, aber die Römer brauchten keinen Dramatiker, um bei dieser Geschichte eine Gänsehaut zu bekommen.

Der Tempel des Divus Iulius wurde genau an der Stelle errichtet, an der Cäsars Leichnam verbrannt worden war. Seine Ruinen stehen noch heute — ein flaches Podest am östlichen Ende des Forums. Besucher legen dort immer noch Blumen nieder und setzen damit, ohne es zu wissen, eine Trauertradition fort, die seit über zweitausend Jahren andauert.

عبرة القصة

Macht endet nicht mit dem Tod — sie kann zur Legende werden, und die Legende zu einer Kraft, die die Welt verändert.

الشخصيات

J
Julius Caesar
O
Octavian (Augustus)
M
Mark Antony
M
Marcus Brutus
C
Cassius

المصدر

Suetonius, Divus Iulius; Appian, Civil Wars; Plutarch, Life of Brutus; Pliny, Naturalis Historia II.94

Cäsars Geist und der Komet | Landstories