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Kronen & Eroberungen·1/6·1
Photograph of Babylon

The place

Babylon

In Stein gemeißelt

Wie ein babylonischer König 282 Gesetze in schwarzen Stein meißeln ließ und die Bedeutung von Gerechtigkeit für immer veränderte

c. 1755-1750 BCE (code’s promulgation); discovered at Susa, Iran, in 1901-1902Babylon

Um 1755 vor Christus tat ein König in Babylon etwas, das kein Herrscher vor ihm gewagt hatte. Hammurabi nahm 282 Gesetze — Regeln über Mord, Diebstahl, Scheidung, sogar über Pfusch am Bau — und ließ sie in eine über zwei Meter hohe Säule aus schwarzem Stein meißeln, so hart, dass man ihn kaum bearbeiten konnte. Dann stellte er sie in einen Tempel, für jeden sichtbar. Die Botschaft war revolutionär: Das Gesetz ist kein Geheimnis der Mächtigen. Es gehört allen.

Moral der Geschichte

Vor Hammurabi war Gerechtigkeit das, was der Starke dem Schwachen aufzwang. Nach Hammurabi war Gerechtigkeit — zumindest dem Grundsatz nach — niedergeschrieben, sichtbar und auf alle anwendbar. Der Kodex war nach modernen Maßstäben nicht gerecht. Er unterschied zwischen den Ständen, bestrafte den Armen härter als den Reichen und schrieb Grausamkeiten vor, die wir nicht dulden würden. Aber er begründete eine revolutionäre Idee: Das Gesetz existiert vor dem Verbrechen, die Strafe muss verhältnismäßig sein, und selbst der König ist etwas Größerem unterworfen als seinem eigenen Willen. Diese Idee, in schwarzen Stein gemeißelt in einer Sprache, die dreitausend Jahre lang unlesbar sein würde, erwies sich als unzerstörbar.

Figuren

H
Hammurabi -- sixth king of the First Babylonian Dynasty (r. 1792-1750 BCE)
S
Shamash -- the sun god of justice, depicted handing Hammurabi the rod and ring of kingship
S
Shutruk-Nahhunte -- Elamite king who looted the stele as war booty around 1158 BCE
J
Jacques de Morgan -- French archaeologist who discovered the stele at Susa in 1901-1902
J
Jean-Vincent Scheil -- Dominican friar who translated the code and revealed it to the modern world

Quelle

The Code of Hammurabi (Louvre, Sb 8); Scheil, Jean-Vincent. Mémoires de la Délégation en Perse, vol. 4, 1902 (first translation); Roth, Martha T. Law Collections from Mesopotamia and Asia Minor, Scholars Press, 1995; Van De Mieroop, Marc. King Hammurabi of Babylon: A Biography, Blackwell, 2005; Richardson, Seth. ‘On Seeing and Believing: Liver Divination and the Era of Warring States,’ in Divination and Interpretation of Signs in the Ancient World, Oriental Institute, 2010; Driver, G.R. and Miles, John C. The Babylonian Laws, 2 vols., Oxford, 1952-1955; Charpin, Dominique. Hammurabi of Babylon, I.B. Tauris, 2012; Laws of Ur-Nammu (c. 2100 BCE); Laws of Eshnunna (c. 1930 BCE)