Mark Aurel, der Philosophenkaiser, dessen Selbstbetrachtungen bis heute als Grundwerk der Stoa gelten, zeugte einen Sohn, der zu einem der wahnsinnigsten Herrscher Roms werden sollte. Commodus bestieg den Thron im Jahr 180 n. Chr. mit gerade einmal achtzehn Jahren — und schleifte in den folgenden zwölf Jahren die Würde des Römischen Reiches durch den blutgetränkten Sand der Arena des Kolosseums.
Von Anfang an interessierte sich Commodus nicht für das Regieren. Was ihn besessen machte, war die Welt der Gladiatoren. Sein Vater hatte Jahrzehnte an der Donaugrenze verbracht, um Roms Grenzen zu verteidigen; Commodus brach die Feldzüge ab und eilte zurück in die Hauptstadt zu ihren Spektakeln. Aber Zuschauen genügte ihm nicht. In einem Akt, der den Senat entsetzte, begann der Kaiser selbst in der Arena zu kämpfen — vor Zehntausenden von Zuschauern.
Die antiken Historiker Cassius Dio und Herodian hinterließen fassungslose Berichte. Commodus kämpfte als Secutor, ein schwer gepanzerter Gladiatorentyp, doch seine Duelle waren groteske Schauspiele. Seine Gegner erhielten Waffen aus Blei oder Zinn — weiche Metalle, die beim ersten Schlag verbogen. Verwundete und Verstümmelte wurden vor ihn gestellt, damit er sie gefahrlos erledigen konnte. Einmal ließ er alle Behinderten Roms zusammentreiben, fesselte sie in der Arena, gab ihnen Schwämme als Waffen und erschlug sie — verkleidet als Herkules.
Die Senatoren mussten dabei rufen: «Du bist der Herr, du bist der Erste, der Glücklichste! Sieger bist du und Sieger wirst du sein!» — bei Todesstrafe. Man sagt: Hochmut kommt vor dem Fall. Doch bei Commodus kam der Hochmut nicht vor dem Fall — er war der Fall. Jeder Tag seiner Herrschaft war ein Stück tiefer in den Abgrund.
Sein Wahn für wilde Tiere war ebenso verstörend. Cassius Dio berichtet, dass Commodus an einem einzigen Tag hundert Löwen tötete, jeden mit einem einzigen Speerwurf von einer erhöhten Plattform aus. Er köpfte Strauße mit speziell geformten Sichelpfeilen und trug die abgetrennten Köpfe zu den Sitzreihen der Senatoren, wo er sie schweigend vor ihren entsetzten Gesichtern schwenkte — eine stumme Drohung, dass ihre Köpfe die nächsten sein könnten.
Seine Wahnvorstellungen wurden immer schlimmer. Er begann sich als Wiedergeburt des Herkules darzustellen, erschien in der Öffentlichkeit im Löwenfell und mit einer Keule. Er benannte Rom in «Colonia Commodiana» um und änderte die Namen der Monate, der Legionen und sogar des Senats, um seine eigenen Titel einzusetzen. Schließlich kündigte er an, das Jahr 193 n. Chr. einzuweihen, indem er als Gladiator verkleidet aus der Kaserne zum Senat marschieren und dort das Konsulat antreten werde.
Das war zu viel. In der Nacht des 31. Dezember 192 n. Chr. schlug sein engster Kreis zu. Seine Geliebte Marcia vergiftete seinen Wein, und als das Gift zu langsam wirkte, wurde sein Ringkampfpartner Narcissus ins Bad geschickt, um ihn zu erdrosseln. Der Senat verhängte die damnatio memoriae — die Verdammung seines Andenkens — und ordnete die Zerstörung seiner Statuen und die Tilgung seines Namens von jeder Inschrift an. Der Sohn des größten Philosophenkaisers endete als der endgültige Beweis: Macht ohne Charakter ist nichts als Wahnsinn.
