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Kronen & Eroberungen·1/5·3
Photograph of Olympia — Heiligtum des Zeus und Geburtsstätte der Olympischen Spiele

The place

Olympia — Heiligtum des Zeus und Geburtsstätte der Olympischen Spiele

Herakles und die Geburt der Olympischen Spiele

Der Held, der die Ställe reinigte und die Spiele gründete

Mythological EraOlympia — Heiligtum des Zeus und Geburtsstätte der Olympischen Spiele

Von den zwölf Aufgaben, die König Eurystheus dem Herakles auferlegte, sollte die fünfte ihn nicht töten, sondern demütigen. Augias, König von Elis, besaß die größten Rinderherden ganz Griechenlands — ein Geschenk seines Vaters Helios, des Sonnengottes. Dreitausend Ochsen lebten in riesigen Ställen, die seit dreißig Jahren niemand gereinigt hatte. Der Mist hatte sich zu Bergen aufgetürmt, und der Gestank vergiftete die Luft der ganzen Region. Eurystheus befahl Herakles, alles an einem einzigen Tag zu säubern — in der Überzeugung, dass der größte Held Griechenlands am Ende als Stallknecht dastehen würde.

Herakles erschien am Hof des Augias und schlug ihm einen Handel vor: Wenn er die Ställe vor Sonnenuntergang reinigte, würde Augias ihm ein Zehntel seiner Herden geben. Der König stimmte lachend zu, fest davon überzeugt, dass kein Mensch so etwas schaffen könnte. Aber Herakles war kein gewöhnlicher Mensch. Statt zu schaufeln, leitete er zwei mächtige Flüsse um — den Alpheios und den Peneios — und lenkte ihre Wassermassen direkt durch die Ställe. Die Flüsse rissen dreißig Jahre Dreck in einem einzigen Nachmittag mit sich fort. Die Ställe glänzten wie neu, und das vergiftete Land wurde wieder fruchtbar.

Doch Augias, als er sah, dass Herakles Köpfchen statt Muskelkraft eingesetzt hatte, weigerte sich zu zahlen. Man sagt, aller guten Dinge sind drei — aber diesmal war das Dritte die göttliche Vergeltung. Herakles ging, doch er vergaß nichts. Jahre später, nach Vollendung aller zwölf Aufgaben, kehrte er mit einem Heer zurück, eroberte Elis und tötete Augias. Damals, so berichtet der Dichter Pindar in seinen Olympischen Oden, gründete Herakles die Olympischen Spiele zu Ehren seines Vaters Zeus.

Herakles vermaß das Stadion von Olympia persönlich, indem er einen Fuß vor den anderen setzte und sechshundert seiner eigenen Schritte zählte. Weil Herakles größer war als jeder Sterbliche, maß das Stadion 192,27 Meter — eine Strecke, die fortan als ein Stadion bekannt war und von der unser Wort «Stadion» abstammt. Er legte den heiligen Bezirk namens Altis fest, weihte ihn Zeus und organisierte die ersten Wettkämpfe: Wettlaufen, Ringen, Faustkampf und Wagenrennen, zu denen er Helden aus ganz Griechenland einlud.

Herakles selbst trat bei jenen ersten Spielen in jeder Disziplin an, und laut dem antiken Reiseschriftsteller Pausanias gewann er sie alle. Kein Gegner konnte seiner übermenschlichen Kraft standhalten. Doch sein größter Beitrag war nicht sportlicher Natur. Er reiste ins Land der Hyperboreer, einem sagenhaften Volk jenseits des Nordwinds, und brachte einen heiligen wilden Olivenbaum mit. Er pflanzte ihn hinter dem Zeustempel, und von da an wurden die Zweige dieses Baumes zum Kotinos geflochten — dem Olivenkranz, der jedem Olympiasieger aufs Haupt gesetzt wurde.

Dieser Kranz war der einzige Preis in Olympia, und er galt als wertvoller als Gold, weil er vom Baum stammte, den Herakles selbst gepflanzt hatte. So verwandelte Herakles einen Ort der Demütigung in einen Ort des Ruhms. Das Tal, in dem er Mist geschaufelt hatte, wurde zur heiligsten Sportstätte der antiken Welt. Sein Vermächtnis hielt über tausend Jahre: Jeder Olympiasieger, der den Olivenkranz trug, trug ein Stück der Geschichte des Herakles mit sich — eine Erinnerung daran, dass wahre Stärke nicht im Zerstören liegt, sondern im Erschaffen.

Moral der Geschichte

Wahre Stärke zeigt sich nicht im Zerstören, sondern im Reinigen, Gründen und Erschaffen. Das größte Vermächtnis des Herakles waren nicht die Ungeheuer, die er tötete, sondern die Spiele, die er gründete.

Figuren

H
Herakles
A
Augias
Z
Zeus
E
Eurystheus

Quelle

Pindar's Olympian Odes, Pausanias's Description of Greece (Book 5), Apollodorus's Bibliotheca, Diodorus Siculus's Bibliotheca Historica