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Kronen & Eroberungen·2/5·3
Photograph of Olympia — Heiligtum des Zeus und Geburtsstätte der Olympischen Spiele

The place

Olympia — Heiligtum des Zeus und Geburtsstätte der Olympischen Spiele

Milon von Kroton — Der unbesiegte Champion

Der Ringer, der sechs Olympiasiege holte und einen Stier auf den Schultern trug

540-516 BCEOlympia — Heiligtum des Zeus und Geburtsstätte der Olympischen Spiele

Im sechsten Jahrhundert vor Christus lebte in Kroton, einer reichen griechischen Kolonie in Süditalien, ein Mann, der die Grenzen menschlicher Kraft sprengte. Sein Name war Milon, und er sollte der berühmteste Athlet der antiken Olympischen Spiele werden. Kroton war ohnehin für seine Sportler bekannt — bei einem Olympischen Wettkampf kamen alle sieben Finalisten des Stadionlaufs aus dieser Stadt. Doch Milon übertraf sie alle. Er war außerdem Anhänger des Philosophen Pythagoras, der in Kroton seine berühmte Schule gegründet hatte. Ein Mann, der bewies, dass körperliche und geistige Größe in einer Person vereint sein können.

Seine Trainingsmethode wurde genauso berühmt wie seine Siege. Man erzählt, er habe als Junge begonnen, ein neugeborenes Kalb auf seinen Schultern zu tragen — jeden einzelnen Tag. Das Kalb wuchs, und Milons Kraft wuchs mit ihm. Als das Kalb ein ausgewachsener Stier war, trug Milon ihn durch das gesamte Stadion. Es ist das Prinzip des progressiven Trainings, das Sportler bis heute anwenden.

Seine Triumphe beschränkten sich nicht auf Olympia. Er gewann sieben Mal bei den Pythischen Spielen, zehn Mal bei den Isthmischen und neun Mal bei den Nemeischen Spielen. Über zwanzig Jahre lang blieb er in jedem großen Wettkampf ungeschlagen. Seine einzige Niederlage kam bei seiner siebten Olympiade, gegen einen jungen Ringer namens Timasitheus. Der junge Mann versuchte gar nicht erst, Milon mit Kraft zu besiegen — er wich einfach jedem Griff aus, bis Milon erschöpft war.

Die Geschichten über seine Stärke klingen wie aus einem Mythos. Er soll einmal ein einstürzendes Gebäude gehalten haben, damit der Philosoph Pythagoras fliehen konnte. Er konnte einen Granatapfel so fest in der Faust halten, dass niemand ihn herausreißen konnte — und doch blieb die Frucht unversehrt. Er band sich ein Seil um die Stirn und ließ es platzen, indem er seine Adern anschwellen ließ.

Doch sein Tod war ebenso legendär wie sein Leben. Als alter Mann ging Milon durch einen Wald und fand einen Baumstamm, den Holzfäller halb gespalten hatten. Er wollte beweisen, dass seine Kraft noch ungebrochen war, und versuchte, den Stamm mit bloßen Händen auseinanderzureißen. Das Holz schloss sich und klemmte seine Hände ein. Er konnte sich nicht befreien. In der Nacht wurde er von Wölfen gerissen.

Hochmut kommt vor dem Fall — und Milons Fall war furchtbar. Der Mann, den kein Gegner je bezwungen hatte, wurde von seinem eigenen Stolz und vom Alter besiegt. Der Champion, der Stiere trug, endete als Beute der Wölfe. Die Geschichte ist fast sicher ein Mythos, aber ihre Botschaft ist unerbittlich: Selbst die größte Kraft der Welt kann das Alter nicht besiegen.

Und doch überdauerte sein Vermächtnis die Jahrhunderte. Milon wurde zum Inbegriff des athletischen Helden: nicht nur siegreich, sondern übermenschlich; nicht nur stark, sondern mythisch. Jeder Ringer, der über Generationen hinweg in Olympia antrat, maß sich an seiner Erinnerung. Seine Bronzestatue stand im Heiligtum von Olympia — ein ewiges Zeugnis für den Mann mit den sechs Olivenkränzen, dessen Name zum Sinnbild körperlicher Vollkommenheit wurde.

Moral der Geschichte

Selbst die größten Champions sind sterblich. Hochmut kommt vor dem Fall: Milons Kraft machte ihn zur Legende, doch sein Stolz machte ihn zur Beute.

Figuren

M
Milo of Croton
T
Timasitheus
P
Pythagoras

Quelle

Pausanias's Description of Greece, Strabo's Geography, Diodorus Siculus's Bibliotheca Historica, Cicero's De Senectute