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Geister & Flüche·3/5·3
Photograph of Olympia — Heiligtum des Zeus und Geburtsstätte der Olympischen Spiele

The place

Olympia — Heiligtum des Zeus und Geburtsstätte der Olympischen Spiele

Pelops und das tödliche Wagenrennen

Der Verrat, der die Olympischen Spiele begründete

Mythological EraOlympia — Heiligtum des Zeus und Geburtsstätte der Olympischen Spiele

König Oinomaos von Pisa herrschte über die Ländereien rund um Olympia. Seine Tochter Hippodamia war von atemberaubender Schönheit. Doch ein Orakel hatte dem König gewarnt: Sein Schwiegersohn würde ihn töten. Also erfand Oinomaos einen tödlichen Wettbewerb. Jeder Mann, der Hippodamia heiraten wollte, musste ihn in einem Wagenrennen von Pisa bis zum Isthmus von Korinth besiegen. Wer verlor, bezahlte mit dem Kopf. Die Pferde des Königs waren ein Geschenk von Ares, dem Kriegsgott — kein sterbliches Gespann konnte sie einholen. Dreizehn Bewerber hatten es schon versucht. Ihre abgeschlagenen Köpfe schmückten die Palasttore.

Pelops kam nach Pisa und verliebte sich auf den ersten Blick in Hippodamia. Doch er wusste: Gegen göttliche Pferde reichte Schnelligkeit allein nicht aus. Also schloss er einen finsteren Pakt mit Myrtilos, dem Wagenlenker des Königs. Wenn Myrtilos den Wagen des Königs sabotierte, bekäme er die Hälfte des Reiches und die erste Nacht mit Hippodamia.

Myrtilos ersetzte die bronzenen Achsnägel des königlichen Wagens durch welche aus Wachs. Das Rennen begann. Oinomaos jagte Pelops, kam immer näher, den Speer zum Wurf erhoben. Doch im entscheidenden Moment lösten sich die Räder. Oinomaos wurde von seinen eigenen Pferden zu Tode geschleift. Mit seinem letzten Atemzug verfluchte er Myrtilos und Pelops.

Pelops gewann Hippodamia und das Königreich. Doch als Myrtilos seine Belohnung einforderte — die erste Nacht mit der Braut — stieß Pelops ihn von einer Klippe ins Meer, das seitdem das Myrtoische Meer heißt. Im Fallen verfluchte Myrtilos Pelops und alle seine Nachkommen.

Man sagt: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Aber Pelops grub die Grube für andere — und seine ganze Familie fiel hinein, Generation für Generation. Seine Söhne Atreus und Thyestes begannen einen Kreislauf aus Mord und Kannibalismus. Die Söhne des Atreus waren Agamemnon und Menelaos. Agamemnon wurde von seiner eigenen Frau Klytaimnestra ermordet, und ihr Sohn Orestes tötete sie dafür. Der Fluch des Pelops wurde zum Haus Atreus — der tragischsten Dynastie der griechischen Mythologie.

Und doch wurde Pelops in Olympia auch verehrt. Sein Grabhügel, das Pelopion, stand im Herzen des Heiligtums. Der Name Peloponnes selbst bedeutet 'Insel des Pelops' — ein Beweis für sein Vermächtnis in ganz Südgriechenland. Das Wagenrennen wurde zur Königsdisziplin der Olympischen Spiele, zum Gedenken an seinen Sieg. Pilger besuchten das Pelopion jahrhundertelang und brachten dem Helden Opfer dar, dessen dunkler Pakt unbeabsichtigt den größten Sportwettbewerb der antiken Welt ins Leben gerufen hatte. So entstanden die Olympischen Spiele aus Verrat und Fluch — eine Mahnung, dass Ruhm und Schuld oft untrennbar verbunden sind.

Moral der Geschichte

Ruhm, der durch Verrat gewonnen wird, trägt einen Fluch in sich. Die größten Spiele der Geschichte entstanden aus Blut — eine Erinnerung daran, dass Zivilisation manchmal auf dunklen Fundamenten ruht.

Figuren

P
Pelops
H
Hippodamia
O
Oinomaos
M
Myrtilus
P
Poseidon

Quelle

Pindar's Olympian Ode 1, Apollodorus's Bibliotheca, Pausanias's Description of Greece (Book 5), Sophocles's Electra