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Rätsel der Vergangenheit·1/5·8
Photograph of Masada

The place

Masada

Die unmögliche Festung des Herodes

Ein paranoider König baute Swimmingpools, Freskenpaläste und Fußbodenheizung auf eine Wüstenklippe — und brauchte sie nie

37–31 v. Chr. (herodianische Bauphase); 1963–1965 (archäologische Ausgrabung)Masada

Herodes der Große hatte vor allen Angst. König von Judäa war er seit dem Jahr 37 v. Chr. — aber nicht, weil sein Volk ihn gewählt hätte. Der römische Senat hatte ihm den Titel gegeben, und römische Legionen setzten ihn durch. Seine Untertanen verachteten ihn. Er war Idumäer, aus einer Familie, die erst eine Generation zuvor zwangsweise zum Judentum bekehrt worden war. Er heiratete die Prinzessin Mariamne aus der alten Königsdynastie der Hasmonäer, um seine Herrschaft zu festigen. Am Ende ließ er sie hinrichten — zusammen mit ihrer Mutter, ihrem Großvater und zwei seiner eigenen Söhne. Und als wären die inneren Feinde nicht genug: Kleopatra von Ägypten wollte sein ganzes Königreich.

Kleopatra hatte ihren Geliebten Marcus Antonius bereits überredet, Herodes die ertragreichen Balsamgärten von Jericho wegzunehmen. Sie wollte ganz Judäa, und Antonius — blind vor Liebe — schien bereit, ihr alles zu geben. Falls das geschah, brauchte Herodes einen Zufluchtsort. Einen Ort, den kein Heer erreichen und kein Mörder finden konnte. Er schaute nach Süden, zum Toten Meer, und fand einen Felsen. Masada: ein bootförmiges Plateau, sechshundert Meter lang, umgeben von Steilwänden, die vierhundert Meter in die Tiefe stürzten — zum tiefsten Punkt der Erdoberfläche.

Aber Herodes wollte auf diesem Felsen nicht einfach nur überleben. Er wollte dort leben wie ein König. Seine Architekten bauten den Nordpalast auf drei Terrassen, die sich die Felswand hinabstuften, als hinge das Gebäude frei in der Luft über der Wüste. Oben seine Privatgemächer mit schwarz-weißen Mosaiken und Fresken, die Marmor imitierten. Zwanzig Meter tiefer ein runder Pavillon für Empfänge — zwischen Himmel und Erde. Nochmal fünfzehn Meter tiefer ein Bankettsaal mit korinthischen Säulen und Fresken im Stil von Pompeji — rot, grün, gelb — so gut erhalten, dass sie bei der Freilegung 1963 aussahen, als wären sie gestern gemalt worden.

Auf dem Plateau bedeckte der Westpalast viertausend Quadratmeter: Thronsaal, Verwaltungsräume, königliche Gemächer. Eine doppelte Kasemattenmauer von vierzehnhundert Metern umschloss das gesamte Gipfelplateau, mit dreißig Türmen, drei befestigten Toren und siebzig Räumen zwischen den Mauerschalen. Aber das eigentliche Wunder war unsichtbar. An einem Ort mit kaum fünfzig Millimetern Niederschlag pro Jahr bauten Herodes' Ingenieure Dämme, die seltene Sturzfluten auffingen und über in den Fels gehauene Kanäle in zwölf riesige Zisternen leiteten. Fassungsvermögen: vierzigtausend Kubikmeter — über zehn Millionen Liter.

Und was machte Herodes mit diesem kostbaren Wasser, das Diener und Packtiere mühsam den Berg hinaufschleppten? Er füllte einen Swimmingpool. Achtzehn mal zwölf Meter, unter freiem Himmel, umgeben von Gärten. Man sagt: Aller guten Dinge sind drei. Bei Herodes waren es vier, fünf, sechs — und keines davon war bescheiden. Er baute auch ein römisches Bad mit Fußbodenheizung: zweihundert kleine Tonsäulen trugen einen erhöhten Boden, durch den heiße Luft zirkulierte. Er ließ sich sogar italienischen Wein aus Kampanien liefern. Auf einer Amphore, die man dort fand, stand: «An König Herodes von Judäa.»

Und dann hat er die Festung nie benutzt. Die Bedrohung durch Kleopatra löste sich in Luft auf, als sie und Antonius 31 v. Chr. in der Schlacht bei Actium geschlagen wurden und sich im Jahr darauf das Leben nahmen. Herodes wechselte geschickt die Seiten, schwor dem Sieger Octavian — dem späteren Augustus — die Treue und regierte noch siebenundzwanzig Jahre, bevor er an einer grauenvollen Krankheit in seinem Palast in Jericho starb. Masada blieb leer. Ein Denkmal der Paranoia eines einzigen Mannes. Fresken, die niemand sah. Ein Pool ohne Wasser. Vorratskammern voller Staub.

Siebzig Jahre später besetzten jüdische Aufständische die Festung zu Beginn des Großen Aufstands gegen Rom. Die Sikarier unter Eleazar ben Ja'ir fanden die Vorräte noch gefüllt, die Wasserversorgung funktionsfähig, die Mauern intakt. Sie teilten Herodes' prunkvolle Säle mit groben Steinmauern in Familienwohnungen auf. Wo Herodes Vergnügungsbäder hatte, bauten sie rituelle Tauchbäder. Wo seine Empfangshallen standen, richteten sie eine Synagoge ein, ausgerichtet auf den zerstörten Tempel in Jerusalem. Die Festung, die ein halbjüdischer Tyrann zum Schutz vor seinem eigenen Volk gebaut hatte, wurde zum letzten Zufluchtsort genau jener Rebellion, die er selbst niedergeschlagen hätte.

Moral der Geschichte

Die Festungen, die wir gegen eingebildete Katastrophen errichten, bleiben manchmal für immer leer — aber sie überdauern und warten auf Menschen, die wir uns nie vorgestellt haben, die sie für Zwecke nutzen, von denen wir nie geträumt hätten. Die großartigsten Bauwerke entstehen nicht immer aus den edelsten Motiven; manchmal sind es Angst und Größenwahn, die die erstaunlichsten Spuren auf dieser Erde hinterlassen.

Figuren

H
Herodes der Große -- König von Judäa, besessener Bauherr und paranoider Tyrann
K
Kleopatra VII. -- Königin von Ägypten, die Herodes' Reich begehrte
M
Marcus Antonius -- Römischer Triumvir und Kleopatras Geliebter
M
Mariamne I. -- Herodes' Ehefrau aus königlichem Geschlecht, auf seinen Befehl hingerichtet
Y
Yigael Yadin -- Archäologe, der die Palast-Ruinen 1963-65 ausgrub

Quelle

Josephus, Flavius. Bellum Judaicum, Book VII; Josephus, Flavius. Antiquities of the Jews, Book XV; Yadin, Yigael. Masada: Herod's Fortress and the Zealots' Last Stand, 1966; Netzer, Ehud. The Architecture of Herod the Great Builder, 2006; Netzer, Ehud. Masada III: The Buildings, Stratigraphy and Architecture, Israel Exploration Society, 1991; UNESCO World Heritage Nomination Dossier #1040, 2001