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Kronen & Eroberungen·5/5·8
Photograph of Masada

The place

Masada

Silvas Rampe

Rom errichtete eines der größten Belagerungswerke der Geschichte, um 960 Menschen auf einer Klippe zu erreichen — und fand oben nur Stille

73 or 74 CE -- the siege lasted approximately two to seven monthsMasada

Im Winter des Jahres 73 stand ein römischer General namens Flavius Silva am Fuß einer Klippe und blickte hinauf. Vierhundert Meter über ihm hielten 960 jüdische Rebellen auf einem Felsplateau namens Masada die letzte Festung, die sich Rom widersetzte. Jerusalem war drei Jahre zuvor gefallen. Der Zweite Tempel — das Herz des jüdischen Glaubens — war niedergebrannt. Jede Stellung hatte kapituliert. Nur dieser Felsen in der Wüste Judäas weigerte sich.

Silva hatte keine Eile. Er war Berufssoldat, der später Konsul werden sollte, und er führte diese Belagerung mit einer Geduld, die das Blut gefrieren ließ. Zuerst riegelte er den Berg ab. Seine Männer bauten eine Mauer von fast fünf Kilometern um die Basis, mit Wachtürmen und acht befestigten Lagern. Niemand kam rein, niemand raus. Diese Lager sind heute noch von Masadas Gipfel zu sehen: Umrisse im Wüstenboden wie eine Geisterarmee, erstarrt in Stein.

Nun das eigentliche Problem: Wie bringt man eine Armee eine vierhundert Meter hohe Klippe hinauf? Der Pfad im Osten war zu schmal. Aber auf der Westseite ragte ein natürlicher Felsvorsprung hundert Meter unter dem Gipfel heraus. Silvas Ingenieure beschlossen, von dort eine Rampe zur Mauer zu bauen: fünfundsiebzig Meter Erde, Stein und Holz, breit genug für einen Rammbock. Es war eines der ehrgeizigsten Bauprojekte, die Rom je in Angriff nahm.

Hier wird die Geschichte finster. Die Arbeiter auf der Rampe waren nicht nur Soldaten. Es waren jüdische Kriegsgefangene — in früheren Schlachten gefangen, gezwungen, die Waffe zu bauen, die ihre eigenen Leute töten würde. Die Verteidiger sahen sie vom Gipfel. Und Rom wusste das. Indem man die Gefangenen an die exponiertesten Stellen stellte, konnte sich oben niemand wehren, ohne die eigenen Leute zu töten. Kalkulierte Grausamkeit, verkleidet als Ingenieurskunst.

Monatelang wuchs die Rampe. Bei Hitze über vierzig Grad, mit Wasser, das von Quellen zehn Kilometer entfernt herangeschafft werden musste, stand die Arbeit nie still. Die Verteidiger konnten nur zusehen. Jeden Morgen war die Rampe ein Stück näher. Jeden Abend ihre Zukunft ein Stück kürzer. Keine Rettung würde kommen. Nur die langsame, erdrückende Gewissheit, dass Rom sie erreichen würde — nicht durch Schnelligkeit oder Überraschung, sondern durch schiere, furchteinflößende Geduld.

Als die Rampe die Mauer erreichte, rollte Silva einen mit Eisen gepanzerten Belagerungsturm hinauf und ließ den Rammbock hämmern. Die äußere Mauer brach. Dahinter hatten die Verteidiger Erde zwischen Balken gestampft, um die Schläge abzufangen. Der Rammbock prallte ab. Silva legte Feuer. Der Wind drehte einmal Richtung Römer. Dann wechselte er, und die letzte Barriere ging in Flammen auf. Bei Einbruch der Nacht trennte nur Luft Rom von Masada.

Im Morgengrauen stürmte die Zehnte Legion durch die Bresche. Sie fand Stille. Laut dem Historiker Josephus hatten sich die 960 Verteidiger das Leben genommen, statt sich zu ergeben. Steter Tropfen höhlt den Stein, sagt man — Rom war dieser Tropfen, geduldig und unerbittlich, Tag um Tag. Am Ende war der Stein ausgehöhlt. Aber innen war nichts. Silva hatte Monate und eine ganze Legion aufgewendet. Als die Rampe ihn hinauftrug, war niemand mehr da.

Diese Rampe steht noch. Zweitausend Jahre Wind, Sturzfluten und Erdbeben haben sie nicht bezwungen. Mit den Lagern und der Mauer bildet sie das vollständigste römische Belagerungssystem, das je gefunden wurde — besser erhalten als Caesars berühmte Anlagen bei Alesia. Man kann heute neben ihr hergehen, vom Gipfel schauen und die Besessenheit eines Imperiums sehen, noch immer eingebrannt in den Wüstenboden. Rom gab mehr aus, um ein Zeichen zu setzen, als das Zeichen je wert war.

Moral der Geschichte

Die Macht eines Imperiums misst sich nicht nur an dem, was es zerstören kann, sondern daran, wie weit es geht, um das zu erreichen, was ihm trotzt. Rom hätte einem Felsen in der Wüste den Rücken kehren können. Stattdessen versetzte es einen Berg, um zu beweisen, dass nichts — nicht die Geographie, nicht die Entschlossenheit, nicht der Wille verzweifelter Menschen auf einer Klippe — sich seinem Zugriff entziehen konnte. Die Rampe steht noch, als Beweis dafür, dass Imperien mehr ausgeben, um ein Zeichen zu setzen, als das Zeichen je wert ist.

Figuren

L
Lucius Flavius Silva Nonius Bassus -- Roman governor of Judaea and commander of the siege
L
Legio X Fretensis -- the Tenth Legion 'of the Strait,' Rome's instrument of destruction
E
Eleazar ben Ya'ir -- leader of the Jewish defenders watching from the summit
T
Thousands of Jewish prisoners of war -- forced to carry water and build the ramp

Quelle

Josephus, Flavius. Bellum Judaicum, Book VII, chapters 275-406; Yadin, Yigael. Masada: Herod's Fortress and the Zealots' Last Stand, 1966; Richmond, I.A. 'The Roman Siege-Works of Masada, Israel,' Journal of Roman Studies 52, 1962; Roth, Jonathan. 'The Length of the Siege of Masada,' Scripta Classica Israelica 14, 1995; UNESCO World Heritage Nomination Dossier #1040, 2001