In Sri Lanka ragt ein Felsen aus dem Dschungel wie eine Steinfaust — zweihundert Meter hoch. Auf halbem Weg nach oben, geschützt in einer Nische der Felswand, schauen neunzehn Frauen seit etwa anderthalb Jahrtausenden auf die Welt herab. Direkt auf den Stein gemalt: goldene Haut, nackter Oberkörper, behängt mit Perlen und Gold. Gemalte Wolken umhüllen ihre Hüften und verbergen alles darunter. Manche tragen Blumen, andere Opfergaben. Alle haben dasselbe halbe Lächeln — einladend und unnahbar zugleich. Niemand weiß, wer sie sind.

The place
Sigiriya
Die Wolkenmädchen
Fünfhundert himmlische Frauen bedeckten eine Felswand im Dschungel Sri Lankas — nur neunzehn haben überlebt, und nach anderthalb Jahrtausenden weiß niemand, wer sie sind
Moral der Geschichte
“Die größte Kunst beantwortet keine Fragen — sie stellt sie. Fünfzehn Jahrhunderte lang haben Besucher vor diesen Frauen gestanden und ihre eigenen Sehnsüchte, ihre eigene Trauer, ihren eigenen Glauben auf sie projiziert. Und die Wolkenmädchen haben mit demselben gelassenen halben Lächeln zurückgeblickt, ihr Geheimnis gehütet, jede Theorie und jedes Imperium überlebt.”
Figuren
Quelle
Paranavitana, Senarath. The Significance of the Paintings of Sigiriya, Artibus Asiae, 1950; Coomaraswamy, Ananda K. Mediaeval Sinhalese Art, 1908; Bell, H.C.P. Report on the Sigiriya Excavations, Archaeological Survey of Ceylon, 1904; Bandaranayake, Senake. Sigiriya: City, Palace and Royal Gardens, 2005; UNESCO World Heritage File 202