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Geister & Flüche·2/5·3
Photograph of Sigiriya

The place

Sigiriya

Der Sturz des Königs

Nach achtzehn Jahren in seiner Himmelsfestung ritt der König, der seinen Vater ermordet hatte, hinab, um sich der Armee seines Bruders zu stellen — und verlor in einem schrecklichen Moment alles

495 CESigiriya

Kashyapa tötete seinen eigenen Vater. So beginnt diese Geschichte. Im Jahr 477 stürzte er König Dhatusena von Sri Lanka — ließ ihn bei lebendigem Leib in eine Mauer einmauern — und riss den Thron an sich. Aber sein Halbbruder Moggallana, der rechtmäßige Erbe, floh noch in derselben Nacht. Ein junger Prinz, der durch die Dunkelheit Richtung Südindien rannte. Kashyapa wusste, dass er zurückkommen würde. Also baute er einen Palast auf einem zweihundert Meter hohen Felsen mitten im Dschungel. Eine Festung, die kein Heer erreichen konnte.

Achtzehn Jahre lang regierte Kashyapa vom Himmel. Er umgab Sigiriya mit Wassergräben, ließ einen gewaltigen Löwen in den Fels meißeln als Haupttor und schmückte die Wände mit goldenen Göttinnen. Jede Treppe, jede Schießscharte, jeder Engpass — alles war für einen einzigen Tag gebaut: den Tag, an dem sein Bruder mit einer Armee zurückkehren würde. Und als dieser Tag im Jahr 495 endlich kam — Moggallana im Anmarsch mit südindischen Truppen und einem Thron, den er zurückfordern wollte — tat Kashyapa das Letzte, womit irgendjemand gerechnet hätte.

Er stieg hinab. Statt hinter den Mauern zu warten, die er zwanzig Jahre lang gebaut hatte, führte Kashyapa seine Armee in die offene Ebene. Vielleicht dachte er, er würde schnell siegen. Vielleicht wusste er, dass Verstecken ihn schwach aussehen ließe. Oder vielleicht — nach achtzehn Jahren mit dem, was er getan hatte — wollte er einfach nur, dass es vorbei war. Der Mann, der eine Festung im Himmel gebaut hatte, wählte den Kampf am Boden.

Die Armeen prallten am Fuß des Felsens aufeinander. Kashyapa ritt auf seinem Kriegselefanten in der Mitte, für alle sichtbar. Dann passierte es. Sein Elefant geriet in sumpfiges Gelände und drehte sich zur Seite, um festeren Boden zu finden. Ein Tier, das Schlamm ausweicht — nicht mehr. Aber seine Soldaten sahen ihren König sich abwenden — und sie sahen einen Rückzug. Migara, derselbe Befehlshaber, der Kashyapa geholfen hatte, seinen Vater zu töten, hatte genau auf diesen Moment gewartet. Er rief den Rückzug aus, und das gesamte Heer brach auseinander. Innerhalb von Minuten war Kashyapa vollkommen allein.

Was dann geschah, ist der berühmteste Tod in der Geschichte Sri Lankas. Kashyapa zog einen juwelenbesetzten Dolch aus seinem Gürtel, setzte ihn an die Kehle und schnitt zu. Aber es gibt ein Detail, das die Menschen seit fünfzehnhundert Jahren nicht loslässt: Nachdem er sich die Kehle aufgeschlitzt hatte, hob er den blutigen Dolch über seinen Kopf, damit das ganze Schlachtfeld es sehen konnte. Dann schob er ihn zurück in die Scheide. Und fiel. Er steckte die Klinge weg, weil der Kampf vorbei war. Die Rechnung war beglichen.

Moggallana bestieg den Thron und verlegte die Hauptstadt zurück nach Anuradhapura, die uralte heilige Stadt. Sigiriya — diese unmögliche Festung, dieses Denkmal aus Schuld und Genie — wurde buddhistischen Mönchen übergeben. Der Lustpalast eines Vatermörders wurde ein Kloster. Die gemalten Göttinnen blickten auf kahlgeschorene Köpfe herab. Die Brunnen verstummten. Der Löwe zerfiel. Vierzehn Jahrhunderte lang waren die einzigen Geräusche auf diesem Felsen Mönchsgesänge und Besucher, die Liebesgedichte in die polierte Spiegelwand ritzten.

Die buddhistische Deutung von Kashyapa ist brutal und schlicht: Karma wartet nicht auf dein nächstes Leben. Man sagt, Hochmut kommt vor dem Fall. Bei Kashyapa war es nicht Hochmut — es war Schuld. Und der Fall war zweihundert Meter tief. Er war brillant. Seine Festung war ein Wunderwerk. Aber das Verbrechen holte ihn trotzdem ein — nicht durch die Mauern, die er errichtet hatte, sondern durch die Treue, die er nie gewinnen konnte. Das Heer, das an diesem Tag zerbrach, hatte nie wirklich einem König gefolgt, der seinen eigenen Vater getötet hatte. Du kannst deine Festung so hoch bauen, wie du willst. Der Fall wartet immer schon.

Moral der Geschichte

Kashyapa baute seine Festung, um dem zu entkommen, was er getan hatte. Aber es waren nicht die Mauern, die versagten — es war das Verbrechen selbst. Ein Heer, das einem Mann dient, der seinen eigenen Vater getötet hat, ist ein Heer, das auf den Moment wartet zu gehen. Und in seinem letzten Augenblick, als er sich die Kehle aufschnitt und den Dolch zurück in die Scheide schob, bewies Kashyapa, dass das Einzige, was er jemals wirklich beherrscht hatte, er selbst war.

Figuren

K
König Kashyapa I. (der dem Untergang geweihte König)
K
König Moggallana I. (sein Halbbruder, der zurückgekehrte Erbe)
M
Migara (der Verräter, der die Seiten wechselte)
G
General Sulaksmana (Befehlshaber der Garnison von Sigiriya)

Quelle

Culavamsa, chapters 38-39 (Geiger translation, 1929); De Silva, K.M. A History of Sri Lanka, 1981; Bandaranayake, Senake. Sigiriya: City, Palace and Royal Gardens, 2005; Gunawardana, R.A.L.H. Robe and Plough: Monasticism and Economic Interest in Early Medieval Sri Lanka, 1979; UNESCO World Heritage Nomination File 202