Mai 330 v. Chr. Alexander der Große gibt ein Bankett in einem Palast, der ihm nicht gehört. Persepolis — das zeremonielle Herz des Persischen Reiches, die prächtigste Palastanlage der Erde — ist seit vier Monaten in seiner Hand. Der Wein fließt in Strömen. Fackeln flackern über Wände, in die Bilder von dreiundzwanzig Völkern gemeißelt sind, die dem König der Könige Gaben bringen. Da erhebt sich eine Frau namens Thaïs. Und mit einer einzigen Rede verändert sie alles.
Thaïs ist Athenerin — klug, gebildet, Gefährtin von Ptolemaios, einem der mächtigsten Generäle Alexanders. Und ihr Argument trifft wie ein Schwerthieb. Hundertfünfzig Jahre zuvor hatte der persische König Xerxes Griechenland überfallen und die heiligen Tempel Athens niedergebrannt. Und jetzt sitzen sie hier, in seinem Palast, trinken seinen Wein. Das Größte, was Alexander tun könne, sagt sie, sei es, einer Frau aus Athen die erste Fackel entzünden zu lassen. Der Saal voller betrunkener makedonischer Soldaten bricht in Jubel aus.
Alexander greift zur Fackel. Was folgt, ist ein Zug Betrunkener durch Korridore, die für die heiligsten Zeremonien der Welt errichtet wurden — Girlanden, Flöten, ein Strom aus Feuer. Sie zielen zuerst auf den Palast des Xerxes. Nicht auf die Schatzkammer. Nicht auf den Thronsaal. Auf das Haus des Mannes, der Athen verbrannt hatte. Die Zedernbalken aus dem Libanon fangen sofort Feuer — Zedernholz steckt voller Harz und brennt schnell und gnadenlos. Innerhalb von Minuten ist der Brand nicht mehr zu löschen. Plutarch schreibt, Alexander habe geschrien, man solle aufhören. Zu spät.
Nicht alle jubeln. Parmenion, Alexanders erfahrenster General — ein Veteran, der schon seinem Vater gedient hatte —, fleht ihn an, es nicht zu tun. Du verbrennst dein eigenes Eigentum. Asien wird niemals einem Mann folgen, der zerstört statt aufzubauen. Du wirst wie ein Plünderer wirken, nicht wie ein König. Alexander ignoriert ihn. Innerhalb eines Jahres ist Parmenion auf seinen Befehl hin tot. Manche Historiker glauben, die Geschichte vom Trinkgelage sei nur Tarnung — dass Alexander Persepolis eiskalt anzündete, als nüchterne Botschaft an Griechenland: Die Schuld ist beglichen.
Die Zerstörung ist total. Zwei Jahrhunderte Architektur gehen in Stunden in Flammen auf. Dächer stürzen ein, Mauern brechen zusammen, Asche türmt sich meterhoch. Sein Heer hatte den Schatz bereits geplündert: dreitausend Tonnen Silber und Gold, abtransportiert mit Maultieren und Kamelen. Dann verbrennt er das Gebäude, das ihn beherbergt hatte. Doch die Trümmer begraben die steinernen Reliefs der Treppen. Als Archäologen sie in den 1930er-Jahren freilegen, sind die Locken der Bärte und die Falten der Gewänder noch gestochen scharf — nach zweieinhalbtausend Jahren.
Der Mensch denkt, Gott lenkt — und manchmal lenkt er mit Feuer. Verborgen in den Mauern von Persepolis lagen dreißigtausend Tontafeln — Verwaltungsdokumente, im Grunde. Arbeiterrationen, Reisegenehmigungen, religiöse Opfergaben. Sie offenbaren, dass das Persische Reich Frauen für gleiche Arbeit gleich bezahlte und jungen Müttern zusätzliche Nahrung gewährte. Ungebrannter Ton zerfällt über die Jahrhunderte. Alexanders Feuer brannte diese Tafeln hart wie Stein — wie Keramik in einem Brennofen. Das Feuer, das ein Reich auslöschen sollte, wurde zu dem, was es für die Nachwelt rettete.
Iraner nennen ihn bis heute Eskandar-e Gojastak — Alexander den Verfluchten. Persepolis wurde nie wieder aufgebaut. Doch seine Ruinen wurden, was ein stehender Palast nie gewesen wäre: ein Monument, das durch die Zeiten spricht. Dreizehn Säulen stehen noch. Geflügelte Stiere bewachen das Tor. Reliefs zeigen dreiundzwanzig Völker auf dem Weg zu einem Thron, der heute leer ist. Was Generationen braucht, kann in einer betrunkenen Nacht verbrennen — doch die grausamste Ironie ist, dass das Feuer, das ein Imperium auslöschen sollte, der Grund ist, warum wir uns daran erinnern.
