In den 1930er Jahren brachen Archäologen eine Mauer in Persepolis auf — Hauptstadt des Persischen Reiches im heutigen Iran — und fanden dreißigtausend Tontafeln darin versiegelt. Abrechnungen. Wer bezahlt wurde, wie viel Getreide, wie viele Arbeiter. Trockener Stoff. Bis jemand sie tatsächlich las. In diesen Quittungen steckte der Beweis, dass das größte Reich der Erde Frauen für dieselbe Arbeit genauso bezahlte wie Männer — fünfundzwanzig Jahrhunderte bevor sonst jemand darüber diskutierte.
Die Tafeln umfassen fünfzehn Jahre unter Darius dem Großen, um 500 v. Chr. Sie listen Arbeiter aus dem gesamten Reich — Perser, Babylonier, Ägypter, Griechen, Inder — Tausende Namen, jeder mit Beruf und Lohnsatz. Hunderte gehörten Frauen. Keine Sklavinnen. Keine Dienerinnen. Bezahlte Arbeiterinnen und Vorgesetzte. Wenn eine Frau dieselbe Arbeit wie ein Mann verrichtete, bekam sie denselben Lohn. Nicht als Ausnahme. Über Tausende Aufzeichnungen, fünfzehn Jahre lang. Es war System.
Jetzt wird es richtig wild. Die Tafeln zeigen, dass Frauen nach der Geburt zusätzlichen Lohn erhielten — staatlich finanzierter Mutterschutz im fünften Jahrhundert vor Christus. Nicht in Athen, wo Frauen kein Eigentum besitzen und ohne Mann nicht vor die Tür durften. Nicht in Rom, wo sie wie Kinder behandelt wurden. In Persien. Die Zivilisation, die die Griechen „barbarisch“ nannten, hatte ein System für junge Mütter geschaffen, das der Westen erst über zweitausend Jahre später erreichen sollte.
Und dann waren da die Frauen ganz oben. Irdabama taucht in Dutzenden von Tafeln auf — Leiterin riesiger Güter, Befehlshaberin über Hunderte von Arbeitern. Sie unterzeichnete Lieferungen mit ihrem eigenen Siegel: dem Bild einer Frau auf einem Thron. Sie handelte mit Getreide, Wein und Vieh in einem Ausmaß, das es mit Statthaltern aufnehmen konnte. Kein Ehemann, kein Vater wird je erwähnt, um ihre Entscheidungen abzusegnen. Sie war niemandem Rechenschaft schuldig außer dem König.
Die wahre Machtspielerin war Atossa. Tochter von Kyros dem Großen, Gründer des Persischen Reiches. Sie heiratete drei Könige nacheinander. Aller guten Dinge sind drei, sagt man — Atossa bewies es, nur anders als gedacht. Herodot, der Frauen sonst ignorierte, schrieb, sie habe „alle Macht“ am Hof besessen. Als Darius seinen Erben wählen musste, schlug Atossa zu: Ihr Sohn Xerxes bekam den Thron — vor seinen älteren Halbrüdern. Eine Frau entschied, wer das größte Reich der Erde regieren würde.
Jahrhundertelang blickten westliche Gelehrte auf Persepolis und sahen, was sie erwarteten — Harems, verschleierte Frauen, ein rückständiges Reich. Sie tauften sogar ein Gebäude „den Harem des Xerxes“, ohne jeden Beleg. Aber die Tafeln erzählen eine völlig andere Geschichte. Königliche Frauen reisten frei zwischen Provinzen, gaben Festmahle, verwalteten Güter und kontrollierten enormen Reichtum. Sie waren nicht hinter Mauern eingesperrt. Sie lenkten das Reich von innen heraus.
Die Griechen schrieben die Geschichte, und Persien wurde als Land der Tyrannen über hilflose Frauen gezeichnet. Die Wahrheit lag dreiundzwanzig Jahrhunderte in einer Mauer versiegelt, gehärtet durch das Feuer, das Alexander der Große legte, als er Persepolis niederbrannte. Die Tafeln landeten in Chicago, wo Richard Hallock Jahrzehnte Getreidequittungen entzifferte — die revolutionärsten Dokumente der Frauenrechtsgeschichte. Es waren keine Proklamationen. Es waren Lohnabrechnungen.
