Die großen Eisentüren des Hauptportals von Notre-Dame sind Meisterwerke der Schmiedekunst — verziert mit geometrischen Mustern, floralen Ranken und Scharnieren von einer Feinheit, die so unbegreiflich war, dass die Pariser im Mittelalter überzeugt waren: Das kann kein Mensch geschaffen haben.
Der Legende nach erhielt im 13. Jahrhundert ein junger Schlosser namens Biscornet den Auftrag seines Lebens: die Eisenbeschläge für die Türen von Notre-Dame zu schmieden. Das Problem war nur — die Entwürfe waren so komplex, die Arbeit so filigran, dass es mit bekannter Technik schlicht unmöglich war. Biscornet, verzweifelt und in Panik, wandte sich nicht an Gott. Er betete zum Teufel.
Satan erschien, und der Handel war schnell gemacht: die Türen gegen seine Seele. In jener Nacht drangen Hammerschläge und Höllenglut aus Biscornets Werkstatt. Am Morgen waren die Türen fertig — absolute Meisterwerke. Das Metall war zu Formen verdreht, die an Dornen, Schlangen und Dinge erinnerten, die in einem Gotteshaus nichts zu suchen haben.
Doch als man die Türen segnen wollte, geschah etwas Unerwartetes. Sie ließen sich nicht öffnen. Kein Schlüssel, keine Kraft, kein Trick half. Man sagt bei uns: Wer mit dem Teufel isst, braucht einen langen Löffel. Biscornet hatte mit dem Teufel nicht nur gegessen — er hatte ihm die ganze Küche überlassen. Erst als man die Türen mit Weihwasser besprengte, gaben sie nach, als löste das Heilige das Schloss des Dämons.
Biscornet selbst fand man tot in seiner Werkstatt. Sein Gesicht war erstarrt in einem Ausdruck puren Entsetzens. Manche sagen, der Teufel kam, um seine Seele zu holen. Andere glauben, dass ihn das Weihwasser bei der Montage der Türen zerstört hat — weil ein Mann, der seine Seele dem Teufel verkauft hat, die Berührung des Heiligen nicht überlebt.
Die Eisenarbeiten an den Türen von Notre-Dame gibt es noch heute, auch wenn sie während der Französischen Revolution von 1789 schwer beschädigt wurden, als Revolutionäre versuchten, sie herauszureißen. Schaut euch die linke Tür des Hauptportals genau an: Die Muster scheinen sich zu bewegen, wenn man zu lange hinstarrt. Und ein letztes Detail, das niemand je erklären konnte — Biscornet bedeutet auf Altfranzösisch ‚der mit den zwei Hörnern'.
