Qin Shi Huang hatte geschafft, was vor ihm keiner geschafft hatte. Bis zum Jahr 221 v. Chr. hatte er sechs rivalisierende Königreiche zerschlagen und zu einem einzigen Reich zusammengeschmiedet — China, das seinen Namen trägt. Er ließ die Große Mauer errichten, vereinheitlichte Schrift und Währung, sogar die Spurbreite der Wagenachsen. Dieser Mann hatte im Grunde ein Land erfunden. Aber all das reichte ihm nicht. Denn Qin Shi Huang lebte in panischer Angst vor dem einzigen Feind, den er nicht bezwingen konnte: dem Tod.
Also machte er sich auf die Suche nach einem Heilmittel. Seine Hofalchemisten versicherten ihm, Quecksilber — dieses seltsame, flüssige Metall — berge das Geheimnis des ewigen Lebens. Und der Kaiser glaubte ihnen. Er begann, täglich Quecksilberpillen zu schlucken, überzeugt, dass sie ihn unsterblich machten. In Wahrheit zerstörten sie seinen Körper von innen. Was er für seine Rettung hielt, brachte ihn um — Dosis für Dosis.
Sein wahnwitzigster Versuch war eine Flottenexpedition von enormem Ausmaß. Im Jahr 219 v. Chr. befahl er einem Alchemisten namens Xu Fu, mit sechzig Schiffen und dreitausend jungen Männern und Frauen nach Osten zu segeln — auf der Suche nach mythischen Inseln, auf denen angeblich Unsterbliche lebten und ein Elixier des ewigen Lebens an den Bäumen wuchs. Es war eine der größten Expeditionen der Antike. Sie segelte geradewegs ins Unbekannte.
Xu Fu kehrte nie zurück. Nicht mit dem Elixier, nicht mit der Flotte, nicht mit seinen dreitausend Passagieren. Die chinesische Legende besagt, er habe Japan erreicht und sich dort niedergelassen — ein Vorfahr des japanischen Volkes. Bis heute beanspruchen Orte entlang der japanischen Küste, seine Landestelle zu sein, und Schreine tragen noch immer seinen Namen. Man hatte ihn losgeschickt, die Unsterblichkeit zu finden — und auf gewisse Weise wurde die Geschichte selbst unsterblich.
Im Jahr 210 v. Chr. starb Qin Shi Huang auf Reisen — immer noch auf der Suche nach seinem Wunder. Und was dann geschah, klingt fast zu absurd, um wahr zu sein. Sein Kanzler Li Si und ein mächtiger Hofbeamter namens Zhao Gao beschlossen, den Tod des Kaisers monatelang zu verheimlichen. Um den Gestank des verwesenden Leichnams zu überdecken, umstellten sie seine Kutsche mit Wagenladungen Fisch. Der mächtigste Mann der Welt wurde nach Hause geschmuggelt — getarnt vom Gestank toter Fische.
Doch der Kaiser hatte vorgesorgt. Wenn er schon nicht ewig leben konnte, würde er ewig unter der Erde herrschen. Sein Grabmal war als Reich im Kleinformat angelegt: Flüsse aus flüssigem Quecksilber entlang der großen Ströme Chinas, eine Decke aus Kupfer und Edelsteinen als Nachthimmel und achttausend lebensgroße Terrakottasoldaten, die für alle Ewigkeit Wache hielten. Er ließ sogar Armbrustfallen einbauen, um Eindringlinge zu töten.
Und hier ist, was einen nicht mehr loslässt. Das Quecksilber, das ihn vergiftete — dieselbe Substanz, die er jahrelang schluckte im Glauben, unsterblich zu werden — ist dasselbe Quecksilber, das durch die Flüsse seines Grabes fließt. Was ihn tötete, wurde zum Herzstück seines Jenseits. Hochmut kommt vor dem Fall: Er wollte den Tod besiegen, und am Ende besiegte ihn seine eigene Medizin. Unsterblichkeit fand er nie. Aber zweitausend Jahre später reden wir immer noch über ihn.
