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Götter & Monster·4/5·1
Photograph of Baalbek

The place

Baalbek

Der Tempel der Ekstase

Im besterhaltenen römischen Tempel der Welt durchlebten Eingeweihte Tod und Wiedergeburt in Ritualen, die den griechischen Bacchus mit dem phönizischen Adonis verschmolzen

ca. 150 n. Chr. (Bau unter Antoninus Pius); phönizische Epoche (Ursprünge des Adonis-Kults)Baalbek

Im Libanon steht ein römischer Tempel, der größer ist als der Parthenon — und fast niemand kennt ihn. Der Bacchus-Tempel in Baalbek ragt einunddreißig Meter in die Höhe, mit Säulen, die fast doppelt so hoch sind wie die in Athen. Erbaut um 150 n. Chr., ist er der besterhaltene römische Tempel der Welt. Der Abenteurer Richard Halliburton nannte ihn in den 1930er-Jahren den »Hof des Glücks« — ein Name, den die Einheimischen seit Jahrhunderten benutzten. Aber Glück trifft nicht annähernd, was hier geschah.

Moral der Geschichte

Jede Zivilisation hat dasselbe Unmögliche gesucht — eine Pforte zwischen Tod und Leben, einen Weg zu sterben und zurückzukehren, sich selbst zu verlieren und verwandelt wiederzufinden. Die Ruinen des Bacchus-Tempels sind der Beweis, dass für einen kurzen Moment der Geschichte, in einem Tal im Libanon, Tausende von Menschen glaubten, genau das gefunden zu haben.

Figuren

B
Bacchus/Dionysos (der sterbende und wiedergeborene Gott)
A
Adonis (der phönizische Jüngling, dessen Blut den Fluss rot färbte)
D
Die Mänaden (ekstatische Anhängerinnen des Weingottes)
O
Otto Puchstein (deutscher Archäologe, 1898–1905)
R
Richard Halliburton (amerikanischer Abenteurer und Autor)

Quelle

Macrobius, Saturnalia I.23; Euripides, The Bacchae; Ovid, Metamorphoses; Villa of the Mysteries, Pompeii (fresco cycle); Puchstein, Otto & Wiegand, Theodor. Baalbek: Ergebnisse der Ausgrabungen, 1921-1925; Halliburton, Richard. Complete Book of Marvels; Hajjar, Youssef. La triade d'Héliopolis-Baalbek, 1977; Pococke, Richard. A Description of the East, 1745