Stell dir eine Welt vor, in der alle die gleiche Sprache sprechen. So beginnt Genesis, Kapitel 11. Die Nachkommen Noahs erreichen eine flache Ebene im heutigen Südirak — das Land zwischen Tigris und Euphrat. Kein Stein. Kein Holz. Nur Schlamm. Also formen sie Flussschlamm zu Ziegeln, brennen sie hart und kleben sie mit Bitumen zusammen — natürlichem Teer, der bis heute im Irak aus dem Boden blubbert. Dann sagen sie den Satz, der alles verändert: „Lasst uns einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reicht.“

The place
Babylon
Der Turm, der den Himmel berühren wollte
Die echte Zikkurat hinter der berühmtesten biblischen Erzählung über menschlichen Ehrgeiz — und warum Gott persönlich herunterkam, um sie aufzuhalten
Moral der Geschichte
“Beim Turm ging es nie um Höhe — es ging um Einheit und um die Angst vor dem, was eine geeinte Menschheit werden könnte. Jede Sprache auf der Erde ist ein Splitter jener ursprünglichen Ganzheit, und jede Übersetzung ist der Versuch, das wieder aufzubauen, was Gott zu zerbrechen beschloss. Vielleicht lautet die Lektion nicht, dass Menschen niemals nach dem Himmel greifen sollten, sondern dass das Greifen wichtiger ist als das Ankommen — und dass unsere verstreuten Sprachen in all ihrer Verwirrung mehr Schönheit hervorgebracht haben, als es eine einzige Sprache je gekonnt hätte.”
Figuren
Quelle
Genesis 11:1-9 (Tower of Babel narrative); George, Andrew R. 'A Stele of Nebuchadnezzar II,' Cuneiform Royal Inscriptions and Related Texts in the Schøyen Collection, Cornell University Studies in Assyriology and Sumerology 17, 2011; Herodotus, Histories, Book I.178-183; The Esagila Tablet (AO 6555, Louvre); 'Enmerkar and the Lord of Aratta' (Sumerian poem, c. 2100 BCE); Koldewey, Robert. The Excavations at Babylon, 1914; George, Andrew R. Babylonian Topographical Texts, Orientalia Lovaniensia Analecta 40, 1992; Strabo, Geography XVI.1.5 (Alexander's clearing of the ziggurat); Wiseman, D.J. Nebuchadrezzar and Babylon, Oxford University Press, 1985