Im Jahr 1221 belagerte Sultan Alaeddin Keykubad I. die als uneinnehmbar geltende Festung Kalonoros sechzig Tage lang. Ihre Mauern waren dick, drei Seiten schützte das Meer, und die byzantinischen Verteidiger waren bestens versorgt. Seine Feldherren rieten ihm, die Belagerung aufzugeben.
Doch der listige Sultan ersann einen ungewöhnlichen Plan, der durch die Jahrhunderte nachhallen sollte.
Im Schutz der Dunkelheit ließ er 15.000 Ziegen aus den umliegenden Dörfern zusammentreiben. An ihren Hörnern wurden Fackeln befestigt. Als die Nacht hereinbrach, trieben seine Männer die Ziegen auf sämtlichen Pfaden zur Festung empor — aus allen Himmelsrichtungen.
Von den Festungsmauern aus beobachteten die Verteidiger entsetzt, wie Tausende beweglicher Lichter aus der Dunkelheit emporstiegen, von allen Seiten zugleich. Welches Heer konnte diese Klippen erklimmen? Es musste ein Heer der Dschinn sein! Dämonen, von Allah höchstpersönlich gesandt!
Im Morgengrauen entsandte der byzantinische Kommandant Kyr Vart Unterhändler, um die Kapitulation auszuhandeln. Die Festung fiel, ohne dass ein einziger Tropfen Blut vergossen wurde.
Sultan Alaeddin gab der Stadt seinen eigenen Namen und taufte sie «Alaiye» (Alanya). Und die Ziegen? Sie wurden als Helden der Eroberung an ihre Besitzer zurückgegeben. Die Festung wird bis heute bisweilen «Keçi Kalesi» genannt — die Ziegenburg.
