Stell dir das vor. Sri Lanka, fünftes Jahrhundert. Du kletterst eine Granitwand hinauf, die zweihundert Meter senkrecht aus dem Dschungel schießt. Auf halber Höhe endet die Treppe — und der einzige Weg nach oben führt durch das aufgerissene Maul eines Löwen, so gewaltig, dass sein Körper aus Ziegel und Stuck fünfunddreißig Meter die Felswand hinaufklettert. Das war keine Verzierung. Das war die Eingangstür. Und um zum König zu gelangen, musstest du hindurch.

The place
Sigiriya
Das Löwentor
Ein Vatermörder baute einen kolossalen Löwen an eine Felswand — und zwang jeden Besucher, durch sein Maul zu gehen, um den Himmelspalast darüber zu erreichen
Moral der Geschichte
“Die Erbauer von Sigiriya verstanden etwas, das die moderne Architektur weitgehend vergessen hat — dass ein Gebäude nicht nur ein Bauwerk ist, sondern ein Erlebnis, eine Geschichte, erzählt in Stein und Raum und Furcht und Staunen. Das Löwentor war kein Tor. Es war eine Verwandlung: Man betrat es als Sterblicher, stieg durch den Körper einer Bestie und trat heraus ins Reich eines Gottes.”
Figuren
Quelle
Bell, H.C.P. Report on the Sigiriya Excavations, Archaeological Survey of Ceylon Annual Reports 1896-1904; Bandaranayake, Senake. Sigiriya: City, Palace and Royal Gardens, 2005; Mahavamsa, chapter 6 (Vijaya legend); Culavamsa, chapters 38-39; UNESCO World Heritage Nomination File 202; Paranavitana, Senarath. History of Ceylon, vol. 1, 1959