Stell dir zehntausend Soldaten vor, in Gold gehüllt. Kein Symbol — echtes Gold. Armreife, Ohrringe, goldene Gegengewichte an den Lanzen. Unter purpur- und safranfarbenen Gewändern trugen sie versteckte Schuppenpanzer. Ihre Bögen töteten auf zweihundertfünfzig Meter. Die tausend Besten — die Apfelträger — führten Lanzen mit goldenen Granatäpfeln an der Spitze. Der Rest: Silber. Das waren die persischen Unsterblichen, die schlagkräftigste Truppe der Antike, gebaut, um den Feind zu brechen, bevor es losging.
Woher der Name „Unsterbliche“? Von einem genialen Trick. Jedes Mal, wenn einer fiel — im Kampf, durch Krankheit, egal wie —, stand sein Ersatzmann schon bereit. Die Einheit zählte immer genau zehntausend. Immer. Von außen wirkten sie, als könne man sie nicht töten. Du sahst einen fallen, und sofort stand ein anderer an seiner Stelle, als ginge der Tod an ihnen vorbei. Manche glauben, es war ein Missverständnis — das persische Wort für „Gefährten“ klang in fremden Ohren wie „Unsterbliche“. Der Name blieb.
Ihr größter Auftritt: die Thermopylen, 480 v. Chr. — die Schlacht, die du aus dem Film 300 zu kennen glaubst. Aber Hollywood hat etwas verschwiegen. Als Xerxes in Griechenland einfiel, blockierten siebentausend Griechen einen Küstenpass: die Heißen Tore, fünfzehn Meter breit. Die Unsterblichen griffen an und wurden zurückgeschlagen. Nicht weil sie schlecht kämpften — das Terrain machte jeden Vorteil zunichte. Kein Platz für Bogenschützen, keine Chance, die Überzahl zu nutzen. Nur Nahkampf gegen schwerere Rüstungen und längere Speere.
Aber die Unsterblichen haben die Thermopylen nicht verloren. Sie haben gewonnen. Ein griechischer Verräter namens Ephialtes — sein Name bedeutet „Albtraum“ — verriet Xerxes einen verborgenen Bergpfad hinter den Griechen. Xerxes schickte alle zehntausend bei Einbruch der Dunkelheit auf diesen Weg. Sie stiegen durch Eichenwälder in völliger Finsternis, umgingen die Wachposten auf dem Gipfel und tauchten im Morgengrauen im Rücken der Griechen auf. Zehntausend Mann, lautlos, nachts, über die Berge — eines der kühnsten Manöver der Antike.
Als die Griechen die Unsterblichen in ihrem Rücken sahen, war alles vorbei. Leonidas schickte seine Verbündeten heim und hielt mit dreihundert Spartanern und rund tausend Freiwilligen stand. Speere, bis sie brachen. Schwerter. Bloße Fäuste. Aber das Ergebnis stand fest, seit der Marsch vollendet war. Aller guten Dinge sind drei, sagt man — die Unsterblichen brauchten nicht mal zwei. Einmal zurückgeschlagen, und sie nahmen den Berg in der Nacht. Der Westen erinnert sich an dreihundert Tote. Die zehntausend Sieger? Kaum eine Fußnote.
In Persepolis — der Zeremonienhauptstadt des Perserreichs im heutigen Iran — sind die Unsterblichen in Stein gemeißelt, an monumentalen Treppen entlang. Reihe um Reihe identischer Krieger, die Lanzen kerzengerade, über ganze Mauerlängen. Die Wiederholung ist die Botschaft. Ein Soldat beeindruckt. Zehntausend identische Soldaten sind kein Heer mehr — das ist eine Ansage. Du schaust nicht auf Menschen. Du schaust auf eine Maschine.
Heute ist diese steinerne Leibgarde eines der bekanntesten Symbole Irans — auf Geldscheinen, Briefmarken, Schmuck und an Wänden iranischer Wohnungen weltweit. Als der Film 300 sie zu gesichtslosen Monstern machte, war Iran empört. Nicht wegen eines Films, sondern weil der Westen seit Jahrhunderten eine Zivilisation, die Straßen von Ägypten bis Indien baute, zum Bösewicht degradiert. Die Unsterblichen waren keine hirnlose Horde. Sie waren stolze, goldgeschmückte Krieger, für die der Dienst am König die höchste Ehre war.
