Das Dach — heute größtenteils zerstört — bestand aus gewaltigen Steinplatten, die die Zwischenräume zwischen den Säulen überspannten, wobei Obergadenfenster im erhöhten Mittelschiff Lichtbahnen in das ansonsten schattengetauchte Innere einließen.
Es sind diese Lichtbahnen, die der Halle ihre transzendenteste Qualität verleihen. Während die Sonne über den Himmel wandert, dringen Lichtstrahlen durch die Obergadenöffnungen und gleiten durch den Säulenwald wie die Zeiger einer göttlichen Uhr, wobei sie zu verschiedenen Stunden verschiedene Reliefs und Inschriften beleuchten. Am Morgen erstrahlen die östlichen Säulen in warmem Licht, während die westliche Hälfte in tiefem Schatten ruht. Zur Mittagszeit fällt das Licht senkrecht herab und bildet auf dem Boden leuchtende Inseln, umgeben von Ringen der Dunkelheit. Bei Sonnenuntergang — jener Stunde, die von Besuchern übereinstimmend als die überwältigendste beschrieben wird — lodern die westlichen Obergadenfenster in goldorangem Licht auf, das waagerecht durch die Säulen flutet, den Sandstein in glühendes Bernstein verwandelt und Schatten von unendlicher Tiefe und Vielschichtigkeit wirft.
Für die Besucher der Antike war die Hypostylhalle eine Vergegenwärtigung der Papyrussümpfe der Schöpfung — jenes Ursumpfes, aus dem der erste Erdhügel zu Anbeginn der Zeit emporgestiegen war. Die Säulen, geschnitzt in Gestalt von Papyrusstängeln mit geschlossenen Knospen und geöffneten Blütenkapitellen, bildeten einen steinernen Wald, durch den der Gott Amun während der Festprozessionen schritt. Das Erlebnis des Durchschreitens der Halle war so gestaltet, dass es die Reise durch die Urlandschaft bis zum Augenblick der Schöpfung selbst nachempfinden ließ.
Moderne Besucher, des theologischen Bezugsrahmens entkleidet, doch demselben überwältigenden physischen Raum ausgesetzt, berichten übereinstimmend von Empfindungen, die über gewöhnliches ästhetisches Erleben hinausgehen. Architekturhistoriker und Reiseschriftsteller greifen nach religiöser Sprache: „in der Gegenwart des Göttlichen stehen“, „eine Stille, die spricht“, „das, was dem Stein am nächsten kommt, ein geistliches Erlebnis zu schaffen.“ Selbst hartgesottene Skeptiker berichten von einem Gefühl der Ehrfurcht, das sich rationaler Analyse entzieht — eine unwillkürliche Reaktion auf Maßstab, Proportion, Licht und Schatten, die am Verstand vorbeizugehen und etwas Älteres, Tieferes im menschlichen Wesen anzusprechen scheint.
Die Hypostylhalle hat Erdbeben, Überschwemmungen, Vernachlässigung und die gezielte Zerstörungswut religiöser Reformer überdauert. Säulen sind gestürzt und wieder aufgerichtet worden. Deckplatten sind zu Boden gekracht und weggeräumt worden. Die Farbe ist verblasst, das Gold abgetragen, und der Weihrauch, der einst die Luft mit duftenden Schwaden erfüllte, hat sich über Jahrtausende verflüchtigt. Und dennoch — bei Sonnenuntergang, wenn das Licht golden wird und die Säulen ihre uralten Schatten werfen, vollbringt die Hypostylhalle noch immer, was ihre Erbauer vor dreitausend Jahren beabsichtigt haben: Sie lässt dich die Gegenwart von etwas spüren, das größer ist als du selbst.
